Mixes und Masters gefixt 🎛 #Mixing #Mastering #KI 

Vor ein paar Monaten hatte ich schonmal auf remasterte 🍞 BROTESTSONGS hingewiesen. Doch ich hatte mich immer noch etwas getäuscht. Die Arbeit zwischen Musiker und Ton-Mixer zu trennen, ist eigentlich der professionelle Standard – und auch nochmal die Aufteilung zwischen Mixer und Mastering-Ingenieur. Der Ton ist eine eigenwillige Welle, und bis ich mich ab 2016 verstärkt mit Musik-Aufnahme und -Bearbeitung beschäftigte, kannte ich nicht mal den Begriff ear fatigue. Eigentlich bin ich Kreativ-Arbeitsschichten von 14-18 Stunden gewöhnt. Im Fall von Musik steht ein wie auch immer begründeter Zeitdruck der Tatsache gegenüber, dass man nicht endlose Stunden mixen und mastern sollte, weil man sich an die scheußlichsten Töne gewöhnen kann.

Nachdem ich also schon zwei, drei Mal Tracks neu hochgeladen hatte – was im Digitalen ja glücklicherweise geht -, habe ich nach Wochen erneut Verbesserungsbedarf gesehen und schließlich immer länger gezögert, bis ich mir selbst das ❗️ Go für den 🖱 Upload erteilen konnte.

Neben ein paar Anfängerfehlern, die ich bei neueren Arbeiten schon überwunden hatte, habe ich schlicht den Aufwand von Mastering in den schwierigeren Fällen unterschätzt. Viele Mittel im Mixing der diversen Instrumente-Spuren zu einer Ausgabe-Datei sind im Mastering identisch. Ihre Anwendung ist aber teilweise ganz anders. Und es geht darum, für die Internet-Plattformen auf bestimmte Messwerte zu kommen, damit die dort normalisierten Lautstärke-Werte das eigene Stück genauso laut wirken lassen wie das, was vorher und nachher läuft („loudness war“).

Nun denke ich, dass sowohl 🍞 BROTESTSONGS wie auch ➗ ROCK DOTS in neuem Glanz erstrahlen bzw. in pastelligen bis düsteren 🔊 Schwingungen daherwabern und verfliegen.

Ich hatte hier im Blog schonmal ein paar 📓 Schulaufsätze über Grundlagen der digitalen Musikbearbeitung geschrieben. Es gibt dazu nicht so viel allgemeine Berichterstattung, weil die meisten Hörer sich für die Technik nicht so interessieren und interessieren müssen. Ich finde es aber spannend, das kennenzulernen, nachdem ich nach den Klavierstunden meiner Kindheit und Jugend erstmal nur bei ein paar Experimenten zu Schulzeiten mit dieser Art Recording zu tun hatte. Und da ging es mit einem Fostex Vierspur-Gerät los, das auf eine herkömmliche Audiocassette aufnahm. Das blieb mühsam, und die geeignete Bearbeitung zeichnete sich für mich erst langsam ab, als ich etliche Jahre später für Sprachaufnahmen mit Adobe Audition experimentierte.

Man muss durch viele Misstöne hindurch, bis auch die schwierigeren Fälle akustische Gestalt angenommen haben. Dennoch macht das Riesen-Spaß, denn die schrittweise Optimierung füttert das Gehirn mit ausreichend Momenten der Belohnung.

Und dann die Digitalisierung: Das Projekt 🎸 GRÜBELBACH ist von Anfang an auch ein Experiment mit den digitalen Arbeitsmitteln – Produktionen ohne aufwändiges Tonstudio, completely in the box, wie man zu der Schachtel mit den Prozessoren und dem Bildschirm sagt. Es ist ein besonders krasses Beispiel für Kostenstürze durch Digitalisierung: Gerätetechnik, die man heute noch für Zehntausende von Euro kaufen kann und für die man eigene physische Räume braucht, wird als digitales Plugin für die Basis-Programme („Digital Audio Workstations“, DAWs, in meinem Fall Cubase Artist) emuliert. Und nach so etlichen Tutorials, die ich mir dazu auf YouTube ansah, gibt es heute wohl kaum einen Profi, der für die Bearbeitung allein analoge Technik bevorzugt.

Ich habe absolut keinen Star-Fimmel, aber warum nicht Leuten zuhören, von denen man sagen kann, dass sie wissen, wie es geht? Eine Plauderei mit Produzent Rick Rubin und Neil Young behandelt das Wechselspiel von Analog und Digital – und kommt, wie eigentlich alle, zu dem Schluss, dass man in der Aufnahme immer noch von herrlich warmen, samtigen, federnden Charakteristiken profitieren kann. Geht es an die Nachbearbeitung, wird man nicht alles mit analoger Technik bewerkstelligen können, was heute digital möglich ist – umgekehrt kann man sich anhand von blind tests vorführen lassen, dass die Präferenz für analoges Mixing und Mastering eher der Nostalgie als der handwerklichen Perfektion zuzuordnen ist. Auch im digitalen Plugin ist die Einstellung „Analog“ oft die beste Wahl – aber es ist eben ein programmtechnischer Nachbau all der Transistoren und Röhren, die früher als voluminöses Gerät dastehen mussten. Und diese virtuellen Nachbauten gelten mittlerweile als perfekt und gleichrangig.

Wer sich nicht in diesem Bereich bewegt, ist überdies von den Rabatt-Schlachten verwundert: Dauernd locken die Plugin-Hersteller mit Aktionen auf ihre Websites, und das Sonderangebot reicht bis zu 90 % reduzierten Preisen. Manche hochklassigen Plugins sind ganz kostenlos, um die eigene Marke ins Gespräch zu bringen.

Durch die neueste Überarbeitung habe ich, hoffe ich, den digitalen Instrumentenkasten im wesentlichen beisammen. Das sind ausgewählte Gratis- und Kauf-Plugins. Es gab dabei keinen Fehlkauf. Alles, was mir auf 🟥 YouTube in Tutorials empfohlen wurde, ist für mich unfassbar praktische, elegante und raffininerte Programmtechnik. Da sind Programmierer am Werk, die mit höchster Akribie arbeiten und die virtuellen Schalter und Regler den Notwendigkeiten und der Spielfreude von Mixing- und Mastering-Ingenieuren anpassen.

Zu all diesen Plugins gibt es ausführlichste Besprechungen auf YouTube. Deshalb möchte ich bei dieser Gelegenheit nur ein paar davon wenigstens mal erwähnen, die mich zuletzt am meisten verblüfft haben – und die mir helfen, auch ohne aufwändige und teure Ausbildung nur im learning by doing zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen – finally … 😇 Auch „Künstliche Intelligenz“ (KI) ist dabei kein Marketing-Gag – es ist, wie die Digitalisierung insgesamt, eine fundamentale Umwälzung alles bisher Dagewesenen. Ein Teil der Expertise lässt sich damit schon heute ersetzen. Ich bin glücklicherweise noch skeptisch, ob dies grenzenlos sein wird – denn Mixes und Masters sind sehr indviduell, und der Reiz bleibt hier erstmal die für meine Begriffe genuin menschliche Originalität. Dass man bestimmte Bearbeitungen standardisieren kann, weil man zumindest ausschließen kann, was nicht funktioniert, leuchtet aber sofort ein. Und das ist gut so. Es kostet sonst nur unnötig Zeit durch immer die gleichen wiederholten Abläufe.

iZotope Ozone ist ein Programm-Paket (nicht nur) für das Mastering, das ich noch nicht in Version 10 nutze, die erneut mehr KI-Anteil hat:

(Ich verwende allerdings eher die einzelnen Ozone-Module in Mix und Master als den KI-Assistenten. Vielleicht habe ich nicht genug eigene Anpassungen gemacht, aber bei Vergleichen kam ich beim assistierten Durchgang eher nicht zu den gewünschten Ergebnissen – oder schaltete jedenfalls einiges wieder ab. Das dürfte in Version 10 sicher noch etwas anders sein, denn logischerweise nimmt die Automatisierung zu, und auch Konzepte anderer einzelner Produkte von Konkurrenten (wie den hier folgenden) finden Eingang in neue Module. Von iZotope verwende ich außerdem die etwas mehr für das Mixing ausgelegten Module von Neutron (noch in der vorigen Version).

Die Produktion von Plugins ist dominiert von angloamerikanischen Firmen. Deshalb freut es mich, dass ich für hartnäckige Probleme schließlich zu zwei Herstellern aus dem deutschsprachigen Bereich fand.

Das sind einmal die smart-Plugins von sonible aus dem österreichischen Graz. Mit ihnen kann man ein paar Sekunden der Mix-Ausgabe oder einzelner Spuren einlesen, und die meisten Einstellungen werden hinter der Fassade mit sehr reduzierten Reglern erledigt. Man kann sich darauf konzentrieren, nur das Maß dieser Einstellungen nach dem eigenen Gehör zu justieren.

Und bloß nicht den Gratis-Balancer von sonible vergessen! (Keine bezahlte Werbung!)

Einen ähnlichen Ansatz, aber mit etwas anderen Parametern im Interface, realisiert der schlicht Equalizer genannte Vertreter von Wavesfactory:

Fehler in meinen bisherigen Uploads waren Störeffekte, die sich im letzten Schritt des Masterings bei maximaler Lautstärke schnell zu untolerierbarem Rauschen, Knarren und Knallen auswachsen können. Als Königsweg dafür galt bisher allein soothe2 von oeksound, mit dem im vorigen Video der Equalizer verglichen wird. (Ich kann eindeutig sagen: Equalizer ist für einzelne Arbeitsschritte der Entstörung eine sehr gute Option, aber eigentlich nicht zu vergleichen mit den vom Mixer selbst manipulierten, auch für Stereo-Seiten oder Mitte und Seiten anpassbaren EQ-Kurven von soothe2 oder dem gleich noch folgenden neuen Konkurrenten).

Wer Rabattaktionen abwartet, kann für den normalen Preis von soothe2 aber sicher auch den neuen Konkurrenten zusätzlich mit ins Boot holen. Ich habe x-mal beides verwendet, und wie bei eigentlich allen nennenswerten Alternativen stelle ich dabei immer wieder fest, dass sich beides lohnt. Die Algorithmen sind nicht dieselben, die diese oder jene Störungen automatisch finden und die man dann mit intuitiven Kurven und Reglern hin- und herkneten kann, bis der Sound klar geworden ist. (Ohne Geduld und Sorgfalt geht dies auch am Computer nicht.)

Die Rede ist vom DSEQ3 des deutschen Herstellers TBProAudio.

In einer ganzen Reihe von Ausführungen des sicherlich wesentlichsten Tools des Equalizers kann ich als etwas späte Entdeckung den Kirchhoff EQ von Plugin Alliance erwähnen. Ich habe mir bisher den ebf. verlockenden Pro-Q von FabFilters aus Kostengründen gespart. Im Detail gibt es ein paar Unterschiede, aber in den komplizierteren Fälle ist der Kirchhoff EQ in manueller Bearbeitung für mich sofort die erste Wahl geworden.

Und dann ist da noch RESO von Mastering the Mix. Noch ein EQ, noch ein anderes Konzept, ebf. teilautomatisiert. Auch hier werden ein paar Sekunden analysiert, und das Plugin legt eine Reihe von Einschnitten in das Frequenz-Spektrum fest. Diese Punkte befinden sich an Positionen von den Mitten an aufwärts. Natürlich kann man sie verschieben und eine ganze Anzahl manuell hinzufügen, sowie für alle oder jeden einzelnen die extrahierten Frequenzen wiedergeben. Gerade für zu harsche Höhen geeignet.

Wie gesagt: Ich könnte hier noch länger weitermachen, und alle älteren und neueren Produkte, die ich mittlerweile verwende, würde ich als outstanding und wahnsinnig spaßig für die Musik-Bastler bezeichnen.

Wenn ich meine Erfahrungen der letzten Monate Revue passieren lasse, lässt sich als würdiger Abschluss noch eine ganz besondere Kreation erwähnen. Ich gebe zu, dass ich unter den großen internationalen Acts eine Schwäche für eine ganze Reihe älterer und neuerer Tracks der Red Hot Chili Peppers habe, die mich zum Thema Musikproduktion nicht nur zu Rick Rubin führten, sondern auch zu dem weniger bekannten Mixer Andrew Scheps, der zeitweise mit Rubin kooperiert und einige bekannte RHCP-Nummern mixte.

Scheps ist sehr auskunftsfreudig und damit (zumindest auf der technischen Ebene 🧐) ein gutes Gegenbeispiel für Geheimniskrämerei in der Medienbranche. Mixing und Mastering in seiner individuellen Anwendung ist ohnehin nur erlernbar und nicht 1:1 kopierbar von irgendwo. Deshalb ist Scheps‘ Devise: Hilfe zur Selbsthilfe, Anschub für das kreative und spielerische Interesse. Und indem er sich selbst half, seinen Workflow zu optimieren, stellte er mit dem Hersteller Waves ein Plugin mit fünf Modulen her, das mich nochmal auf andere Weise frappieren musste als die gerade schon erwähnten: den Scheps Omni Channel.

Man kann sich das im Video von ihm versiert und flink erklären lassen. Ich kann hier vielleicht zusammenfassen, dass eine Stärke des Omni Channel den schon angedeuteten KI-Trend sehr differenziert umsetzt: intuitive Benutzeroberflächen, auf denen eine reduzierte Anzahl von Knobs durchprobiert werden können, bis es passt. Bei Scheps ist der Modus der Automatisierung nicht zuletzt die Kombination aus seiner langjährigen Erfahrung und die Umsetzung bestimmter Kombinationen und Charakteristika bevorzugter Gerätetechnik hinter einem einzigen Regler. Diese Regler sind im Omni Channel sehr empfindlich – eine kleine Änderung bewirkt viel, und eine volle Drehung des Knobs führt durch die maximale Bandbreite wünschbarer Modifikationen.

Nicht übersehen darf man, dass sich jedes Modul aufklappen lässt – und man kann die Einstellungen auch noch in der verdoppelten Steuerung differenzieren für drei verschiedene Stereo-Modi (wobei das Plugin auch eine Mono-Variante im Lieferumfang hat).

Wow. Da wirkt also plötzlich Scheps in der eigenen Effekte-Kette mit – und man hört es (hoffe jedenfalls, dass es Gutes für den GRÜBELBACH bewirkt hat und habe doch definitiv diesen Eindruck).

In diesem Sinne: Pardon für ein paar Misstöne, die da zunächst durchgedrungen waren. Aus allerlei Lebensumständen heraus mache ich das alles bisher völlig im Alleingang. Und der Zeitpunkt, zu dem ich mich entschloss, nach dem Tastenrühren der ersten Lebensjahrzehnte Gitarre zu lernen und Aufnahmen zu veröffentlichen, war erst mit dieser digitalen Revolution gekommen, die in den letzten Jahren vonstatten ging. Neben vielen bedenklichen Entwicklungen dies- und jenseits der Bildschirme ist dies ein gutes, produktives, schönes Beispiel für die Untrennbarkeit von Kunst und Technik.

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#Mixing-Essentials (0) 🎛 | Vorwort

Musik wird gemacht. Musik aus Lautsprechern noch auf andere Weise als die, die jemand im realen Raum auf seinem Instrument spielt.

Begleitend zu allem anderen im Blog möchte ich mit Euch ein paar Blicke in den Maschinenraum der Musikproduktion werfen – als Artikel-Reihe „Mixing Essentials“, die hier in den nächsten Wochen fortgesetzt wird. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem, was neu ist: Auch die nun schon hergebrachten Mittel der analogen Aufnahmetechnik sind fast komplett übergegangen in die Digitalisierung (mit ein paar Streitpunkten unter Experten).

GRÜBELBACH ist bisher ein Studio-Projekt. Hinter Akustikgitarre, menschlicher Stimme, E-Gitarre, Keyboard und ein paar ‚echten‘ Mikrofonen beginnt mit einer einfachen Schnittstelle, einem kleinen Gehäuse mit Buchsen und USB-Kabel zum Computer die digitale Welt.

Wir sprechen mittlerweile fast überall in der Tonträger-Welt von digitalen Programmlösungen. Selbst das klassische Ensemble kommt ab den ersten Bearbeitungsschritten nicht mehr ohne digitale Bearbeitungsmittel aus.

Das sieht auf dem Computer-Bildschirm im Prinzip so aus:

cubase projektfenster
Cubase-Projektfenster

Ich arbeite derzeit mit Cubase 10. Daneben sind Branchen-Standards Logic Pro (für Apple-Nutzer), Ableton Live und Avid Pro Tools. Neuere Produkte dieser Art sind Studio One und Reaper (hier bei bonedo eine Übersicht zu solchen Programmen). Das sind „Digital Audio Workstations“ (DAW). Sie ersetzen auf einem Personal Computer die früher raumgreifenden Apparaturen von Verstärkern, Effektgeräten, Tonbandgeräten und Mischpulten. Übrig bleiben die übereinander angeordneten Spuren mit ihren Clips (entsprechend Schnipseln von Tonband) sowie links davon allerlei Schaltflächen, über die man zu den genannten Funktionen gelangt. Jede Audio-Spur hat außerdem noch auszuklappen die sog. „Automation“, in der neben Lautstärke auch verschiedenste Parameter von Effekten gesteuert werden können – meist variabel auf der Zeitleiste. Zu den Effekten sagt man gleichbedeutend „Plugins“.

Der deutschsprachige Begriff der „Tonmischung“ wird heute meist „Mixing“ genannt. Dieselben Mittel werden in einem abschließenden Arbeitsschritt dann nochmal in meist geringerer Zahl und Stärke beim „Mastering“ angewendet. Im professionellen Musikgeschäft werden diese Vorgänge meist auf mehrere Köpfe verteilt. Je nach Aufwand gibt es natürlich dort spezialisierte Ton- und Aufnahme-Techniker, die noch eine Menge mit physischen Apparaten zu tun haben. Auch von der Arbeitszeit her ist es ein gravierender Unterschied, ob man ein Schlagzeug mit mehreren Mikrofonen abnimmt. Je mehr man digital macht, desto weniger unerwünschte Störeffekte sind zu erwarten.

Stilistisch ist das natürlich ein großer Unterschied, wobei mit zunehmender Verfremdung analog aufgenommene Klänge auch immer technischer klingen können. An mehreren Stellen – bei Aufnahme, in der Übertragung an die DAW und in der Nachbearbeitung einzelner Spuren oder des ganzen Projekts in Mixing und Mastering – können auch noch verschiedenste Gerätschaften zur Anwendung kommen, für die es heute als Ersatz Plugins gibt. Manche Mixing-Ingenieure hören Unterschiede und schwören dabei auf ihre traditionell-analogen Standards.

Erwähnenswert ist noch ein Begriffspaar: In DAWs gibt es zwei Arten von Spuren – das Audio in Wellenformen und die MIDI-Spuren. Erstere dürfte jeder kennen, der schon einmal die Visualisierung einer Klangwelle sah. MIDI bedeutet „Musical Instrument Digital Interface“ und ist seit 1982 im Gebrauch. Es sind Signale, die v. a. mit Keyboards bzw. Synthesizern übermittelt werden – technisch vollkommen eindeutige Angaben, welcher Ton wie lange, teilweise mit welcher Anschlagsmodulation gespielt wird. Entsprechend den schier unendlichen Klangwelten der Synthesizer können alle Arten von Instrumenten emuliert werden, vom Klavier bis zu den Einzelteilen eines Drumkits.

Die einzelnen Tonereignisse werden in der DAW dann im Clip ihrerseits als schmale Streifen dargestellt, zu denen unten noch die Lautstärke als senkrechter Streifen annotiert ist:

cubase midi spur
Cubase MIDI-Spur

Da nach den Äras von Vinyl-Schallplatte und CD Musik heute schon mehrheitlich über das Internet zu den Hörern transportiert wird, haben sich ein paar Bedingungen der Musikproduktion auch im Gestalterisch-Tontechnischen verändert. Der wichtigste Begriff ist der „Loudness War“. Einerseits gibt es teilweise Rückschritte bei den Wiedergabegeräten, sodass jeder Song halbwegs annehmbar über einfachere Notebook-Lautsprecher oder gar Mono-Speaker von mobilen Telefonen klingen sollte. Jede Plattform verwendet außerdem eigene Algorithmen, um die zugelieferten Klangdateien an einen einheitlichen Lautstärke-Pegel anzupassen. Damit unter diesen Bedingungen Musik satt und im Vergleich ausreichend laut klingt, müssen die bekannten Mittel des Mixings, um die es in den folgenden Beiträgen gehen wird, teilweise modifiziert und verstärkt angewendet werden.

Wer als Profi Zeit und Geld hat, kann solchen Aufwand beliebig treiben und seinen Spaß daran haben. In jedem Fall sehen wir eine technische Entwicklung, die den Namen „Revolution“ verdient. Sie ermöglicht nämlich durch Vereinfachungen im Umgang, die programmtechnische Implementierung in den Computer, ergo drastische Kostenreduktion: die Anwendung durch alle Interessierten – an erster Stelle natürlich diejenigen, die selbst Musik machen.

Die folgenden Beiträge dieser Reihe geben, meist mit Hilfe einzelner der vielen Video-Tutorials auf YouTube, einen Überblick zu den wichtigsten Gestaltungsmitteln, die in der aktuellen Musikproduktion zur Anwendung kommen.

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