#Mixing-Essentials (4) 🎛 | Hall und Delay

Die bisher besprochenen drei wesentlichen Kategorien des Mixings (Kompressor, Equalizer, Saturierung) beeinflussen, vereinfacht gesagt, die Charakteristika von Wellenformen, Ă€ndern die LautstĂ€rke bestimmter Teile des Klangspektrums von Tiefen bis Höhen und ihre intuitiv wahrnehmbare Charakteristik, die man mit sprachlichen Metaphern wie „dĂŒnn“ oder „voll“, „glatt“ oder „rau“ beschreibt.

Was dabei bisher unberĂŒcksichtigt blieb, ist die Tatsache, dass sich Klangwellen in einem Raum ausbreiten. Entweder, sie erreichen ein menschliches Ohr direkt, ausgehend von ihrer Quelle, oder sie werden zunĂ€chst an anderen Orten reflektiert und deshalb mit zeitlicher Verzögerung und nur zum Teil zum Standpunkt des Hörers gelenkt. Wir verstehen uns schnell, wenn wir dabei von Hall sprechen. Ein besonderer Fall dieser Art ist das Echo, bei dem noch erkennbare Einzeltöne sich in bestimmter Anzahl und Schnelligkeit wiederholen – je nach Entfernung von reflektierenden FlĂ€chen.

Im Audio-Mixing wird der allgemeinere Begriff Delay (Verzögerung) verwendet, zu dessen Arten der Reverb (Hall) und das Echo zÀhlen.

Hier drei Tutorials vom Recording Blog, delamartv und Martin Wolfinger zum Mixen von Hall:

Martin Wolfinger geht auch gesondert auf die Funktion von Hall fĂŒr die Tiefenstaffelung eines Mixes ein:

Big Z gibt einen weiteren englischsprachigen Überblick zu wesentlichen Aspekten von Hall/Reverb:

Wer sich die Einstellungsmöglichkeiten von Reverb und Delay ansieht, findet eine sehr große Bandbreite von Stilvorlagen. Ihre Wirkung ist in sich noch einmal sehr variabel, indem die IntensitĂ€t der Anwendung des Effekts (optional zzgl. mehrerer Parameter) ganz unterschiedliche Ergebnisse (oft bis zu irritierend-störenden Verzerrungen) hervorbringt.

NatĂŒrlich spielt fĂŒr Raumwirkungen auch das Stereo-Spektrum eine Rolle, durch das dem Ohr Raumpositionen der Klangquelle signalisiert werden. Gezielte Ungleichgewichte im Delay nach links und rechts können z. B. auch fĂŒr psychoakustische LautstĂ€rke-Illusionen verwendet werden.

Der Begriff des Delays bezeichnet in der Praxis oft entweder einen begrenzten Einsatz als Verdoppelung von Klangereignissen im Abstand von Millisekunden (was schon neben Pegel, Kompressor und EQ ein weiteres Mittel der VerstĂ€rkung bedeutet). Das andere Extrem sind relativ lange nachklingende, meist leiser werdende Wiederholungen, die entweder subtil im Hintergrund eine Textur bilden, um das Gesamtbild voller zu machen (ohne zwingend deutlich herausgehört zu werden) oder die bewusst zur Erzeugung deutlich hörbarer Reihen von Klangereignissen eingesetzt werden. So können eher schlichte gespielte Tonfolgen komplexere Resultate haben. Weit ĂŒber die Erzeugung bestimmter realistischer Raumillusionen hinaus (bezeichnet mit Stilen wie „Raum“ oder „Halle“) können Delays dann extrem artifizielle, vor den entsprechenden EffektgerĂ€ten und -Plugins nie dagewesene Klangwelten erzeugen.

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